Von Zauneidechsen, Nilgänsen und kleinen Drogen-Fischen

30.01.2026

Die scheidende Bürgermeisterin Ulrike Mohrs zu Gast bei der CDU Güls – Geplanter Neubau der Kita im Mittelpunkt des Interesses

Koblenz. Nein, auf Abschiedstour ist diese Frau gewiss noch nicht: Ulrike Mohrs (CDU), die im Herbst aus dem Amt der Ersten Beigeordneten (Bürgermeisterin) der Stadt Koblenz scheidet, will erkennbar bis zum Schluss Gas geben. Das machte sie mit Verve und einem Ritt durch ihre Dezernatsthemen bei einer Bürgerversammlung des CDU-Ortsbandes Güls im Weinhaus Grebel deutlich. Dazu konnte der Gülser CDU-Chef August Hollmann rund 50 interessierte Gäste begrüßen, darunter auch Elternvertreter und Kita-Mitarbeiterinnen der katholischen Kita „St. Servatius“.

Die Planungen zum Neubau der maroden Kita am neuen Standort in der Nähe der Schulturnhalle an der Karl-Möhlig-Straße, würden weiter vorangetrieben, so Mohrs. Das Genehmigungsverfahren indes sei „schwierig“ und verzögere sich. Grund unter anderem: die kleine Zauneidechse, die es sich auf dem einst für einen neuen Friedhof vorgesehenen Gelände, gemütlich gemacht habe. Deren zwingend vorgeschriebene Umbettung (auf ein Gelände an der A61) sei nur zu Beginn eines Jahres möglich, erläuterte Jugendamtsleiter Peer Pabst. Das aber  könne  erst im Frühjahr 2027 geschehen und nicht bereits in diesem Jahr, denn noch seien weder der Flächennutzungsplan noch der Bebauungsplan für das Areal geändert.

Verzögert wird der Neubau der Kita offenbar auch durch Überlegungen, die Schulturnhalle in die Gesamtkonzeption mit einzubinden und diese auch für (nicht-sportliche) Veranstaltungen  Gülser Vereine nutzbar zu machen. Außerdem plant die Verwaltung, im Kita-Neubau einen Jugendtreff einzurichten. Dies sei deutlich günstiger als ein Ausbau am alten Standort im Keller des Bühnenhauses in der Gulisastraße, der (inklusive vorgeschriebenem Behindertenaufzug) mit rund 900.000 Euro zu Buche geschlagen wäre. Nach jetzigem Stand geht die Verwaltung davon aus, dass die neue Kita 2031 ihren Betrieb aufnehmen könnte.

Bis dahin haben die jetzigen Kinder von „St. Servatius“ bereits Kita und Grundschule hinter sich. Entsprechend aufmerksam und desillusioniert verfolgten Eltern und Erzieherinnen die Ausführungen, zumal sich der bauliche Zustand der alten Einrichtung zusehends verschlechtere: 70 Prozent der Rollläden funktionierten nicht, die Heizung ebenso wenig, im Sommer sei es in manchen Räumen unerträglich heiß, monierten die Anwesenden. Dabei ist die Stadt allerdings der falsche Adressat, denn noch ist die Kita „St. Servatius“ in kirchlicher Trägerschaft. Und dieser Träger habe sich verpflichtet, bis zu einem Neubau den alten Standort in Schuss zu halten, so die Vertreter der Stadt.

Überraschend offen die Ausführungen der Bürgermeisterin zum Thema Bevölkerungsschutz in möglichen Krisen- oder gar Kriegszeiten: Die Bunkerplätze in Koblenz seien weitgehend abgebaut, neue nicht in Sicht, denn – so die Theorie deutscher Katastrophenschutz-Experten: ein mögliches Kriegsszenario spiele sich eher „an der Ostfront“ ab – östlich von Deutschland, „zum Beispiel in Polen“. Hierzulande müsse man sich, abseits tatsächlich heißer Ziele wie das Bundeswehrzentralkrankenhaus oder anderen Bundeswehreinrichtungen, eher auf Formen der hybriden Kriegsführung einrichten. In Privathäusern werde der Schutz in Kellerräumen von Experten als „in der Regel ausreichend“ angesehen. Für Notfälle sollten die Bürger dort vorsorgen und entsprechende Lebensmittelkonserven und Wasser einlagern.

Mit einem Appell zu „mehr Eigenverantwortung“ konterte Ulrike Mohrs ebenso mehrere Wortmeldungen. Man könne nicht in jeder Lebenslage immer nur nach dem Staat (oder der Stadt) rufen, sondern müsse sich vielmehr die Frage stellen: „Wo kann ich meinen Teil der Verantwortung übernehmen?“ Das gelte buchstäblich beim Kehren vor der eigenen Haustür, denn das sei in den Stadtteilen wie Güls, Aufgabe und Pflicht der Anwohner – auch und gerade im Winter. Das gelte ebenso bei der zunehmend zu beobachtenden Vermüllung im Bereich der Altglas- und Altpapier-Sammelstellen wie etwa auf dem Buswendeplatz im südlichen Güls. Vor Verschmutzung ebenso wenig gefeit ist der „Festplatz“ in der Gulisastraße. Unzählige Zigarettenkippen und „entsorgte“ Lebensmittel in den Grünflächen zeugen von Veranstaltungen in und um das „Bühnenhaus“.

Sorgen bereitet den Gülsern auch der teils offene Drogenhandel auf Gülser Straßen und Spazierwegen: junge, mobile Drogenhändler („kleine Fische“) auf E-Scootern versorgen offenbar die Szene. Die Ordnungsdezernentin versprach, das Thema an die Polizei weiterzureichen. Ans Umweltamt der Stadt leitet sie Klagen über die zunehmende Population von Nilgänsen (und damit einhergehender Verschmutzung) entlang des gesamten Gülser Moselufers weiter. Dabei machte Mohrs deutlich, dass auch dabei die Eigenverantwortung gefordert sei: denn Wasservögel dürften, ebenso wenig wie Tauben, gefüttert werden – nicht zuletzt um Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.

CDU-Ortschef August Hollmann dankte abschließend Bürgermeisterin Ulrike Mohrs und gleich vier Mitarbeitern von Jugendamt, Ordnungsamt und dem Zentralen Gebäudemanagement (ZMG) der Stadt dafür, dass sie sich Zeit für die Gülser Belange genommen hatten, und bekräftigte das gute Miteinander zwischen Gülser Bürgerschaft und der Stadtverwaltung.