Zu Gast bei der Rhein-Zeitung

28.05.2026

Blick hinter die Kulissen

Der Einladung der CDU OV Güls/Bisholder zur Besichtigung des Druckhauses Koblenz, dem „Geburtsort“ unserer Rhein-Zeitung, sind fast 30 Interessierte gefolgt.
Zu Beginn stand der stellvertretende Chefredakteur Thomas Haag für Fragen und Anmerkungen zur Verfügung.
Es würde hier zu weit gehen, alle Fragen und Antworten widerzugeben, hier nur ein paar Fragen exemplarisch herausgegriffen.
Ist die RZ politisch einseitig (links) ausgerichtet?
Thomas Haag hat darauf hingewiesen, dass die RZ „unabhängig“ ist und sich die Redakteure nicht politisch engagieren dürfen. Insofern sollten auch die Artikel neutral sein. Aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in den Artikeln eine gewisse Tendenz erkennbar ist. Letztlich kommt es auf die Interpretation der Leser an, die den gleichen Artikel möglicherweise völlig konträr deuten.
Werden die Redakteure durch die KI (künstliche Intelligenz) in absehbarer Zeit arbeitslos?
Die RZ hat die derzeit verfügbare KI getestet. Einfache Aufgaben, wie z. B. das Zusammenfassen von Veranstaltungshinweisen (was? wann? wo?) kann die KI sehr gut. Schwieriger wird es bei komplexen Aufgaben wie z. B. Informationen in für Leser akzeptables Deutsch zu übersetzen. Da wurde aus einem Polizeibericht über ein in den Straßengraben gefahrenes Auto ohne Verletzte und ohne weitere Beteiligte von der KI ein weiteres Fahrzeug dazu „gedichtet“ und es entstand ein erheblicher Sachschaden. Hier ist also beim Einsatz von KI große Vorsicht geboten.
Wie lange wird es noch eine Druckausgabe der RZ geben?
Es wird sie solange geben, solange die Druckausgabe verlangt bzw. verkauft wird und wirtschaftlich vertretbar ist. Diese Frage müssen sich die Verantwortlichen immer dann stellen, wenn ein Lebenszyklus der Druckmaschinen abgelaufen ist und neue Investitionen anstehen. Selbst die auflagenstarken „Kölner Zeitungen“ (Kölner Express und Kölner Rundschau) haben keine Druckereien mehr. Sie werden hier im Druckhaus Koblenz gedruckt, ebenso wie der „Schängel“. Perspektivisch muss aber mit einer Einstellung der Druckausgaben auch im Hinblick auf das geänderte Konsumverhalten gerechnet werden. Derzeit halten sich die Druck- und Digitalausgaben in etwa die Waage.
Was ist sonst noch berichtenswert?
Am Standort an der Mittelrheinstraße arbeiten ca. 60 bis 70 Beschäftigte; insgesamt hat die RZ einschließlich Transport und Zustellung ca. 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es werden insgesamt 13 Lokalausgaben gedruckt, wobei die Ausgabe Cochem-Zell mit 7.000 Exemplaren immer als erste wegen der schwierigen Erreichbarkeit in Druck geht.
Ein weiteres Problem bezüglich der Druckausgaben ist die Akquirierung von Zeitungsausträgern. Dieses Problem hat aber nicht nur die RZ. Auch die Bistumszeitung „Paulinus“ wird nicht mehr durch eigenes Personal zugestellt, sondern durch die RZ bzw. deren Zustellerinnen und Zusteller. In abgelegenen Gebieten, in denen es keine Zusteller mehr gibt, wird die Zeitung per Tagespost zugestellt.
An diesen interessanten Einblick durch Thomas Haag schloss sich die 90-minütige Führung durch die Produktionsstätte an, die Frau Jaros`mit Herzblut und Engagement leitete und keine Fragen offenließ.
Besonders begeisterte die Technik. In rasendem Tempo, wie von Geisterhand, wurde aus einer schweren weißen Papierrolle eine gefaltete Zeitung mit eingelegten Prospekten, gebündelt für den Versand.